Information zur Hormonersatzbehandlung in den Wechseljahren

Klimakterium und Hormontherapie (HT) Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG) hat eine interdisziplinäre S3-Leitlinie erarbeitet (s. u.) zum Einsatz von Oestrogenen (ET) bzw. Oestrogenen / Progesteronderivaten (EPT) in bzw. nach den Wechseljahren.

Diese Studie ist evidenzbasiert, widerspiegelt aber noch nicht die positiven Erfahrungen, die mit modernen Therapieschemata erzielt werden können. Nicht diskutiert werden die unterschiedlichen Vorbedingungen einer HT bei gesunden Frauen oder Patientinnen mit bereits vorhandenen gesundheitlichen Risiken. Vordiagnostik und Beratung ist der individuellen Situation anzupassen. In der S3-Leitlinie fehlen somit Hinweise

1. zur Primärdiagnostik bei der gesunden Frau vor Beginn der HT
2. zur speziellen Vordiagnostik bei Risikopatientinnen
3. zur notwendigen Kontrolluntersuchungen unter laufender HT, z. B. Überprüfung der Blutspiegel der Oestrogene und deren Abbauprodukte

Auch bei der Beurteilung der Vor- und Nachteile der HT bleibt die derzeit häufigste Behandlungsform mit bioidentischen Oestrogenen transdermalen und natürlichem Progesteron (EPT) unberücksichtigt, obwohl diese Therapie bestimmte Risiken wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Thrombosen, Brustkrebs nochmals gegenüber der konventionellen HT reduziert. Die positiven Wirkungen bezüglich Atrophien, Osteoporose etc. bleiben erhalten. Nicht ausreichend erwähnt wird in der S3-Leitlinie, dass einige Risiken der HT wie z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Herzinfarkt nur im ersten Jahr der Therapie auftreten und in den Folgejahren sogar eine deutliche Reduktion nachweisbar ist. Offensichtlich fehlte hier eine sorgfältige Basisdiagnostik, so dass die „falschen“ Patientinnen behandelt wurden.

Interessant ist, dass andere Fachgesellschaften die Vor- und Nachteile der HT unterschiedlich zur DGGG bewerten. So erwähnen die Orthopäden in ihren Leitlinien die HT zur Vermeidung von Frakturen nur am Rande und messen der HT lediglich eine untergeordnete Rolle im Vergleich zu den teureren und nur für 2-3 Jahre anwendbaren Bisphosphonaten zu. Andererseits stellten die Kardiologen, z. B. Prof. John Stevenson (London), auf dem Europäischen Kardiologenkongress in Barcelona (2009) fest, dass die in den letzten Jahren reduzierte Frequenz von HT-Behandlungen (aus Angst und Panikmache) zu einem deutlichen Anstieg der Häufigkeit von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Herzinfarkten bei Frauen geführt hat.

Ein besonderer Verdienst der S3-Leitlinie für die Beurteilung der Vor- und Nachteile der konventionellen HT ist die Berechnung der tatsächlich aufgetretenen negativen (number needed to harm, +NNH) und positiven Ereignisse (number needed to treat, – NNT) im Balance Sheet unter Punkt 26, Dort kann man erkennen, dass eine koronare Erkrankung wie der Herzinfarkt unter konventioneller HT lediglich bei 1 von 1667 behandelten Frauen auftrat (ohne adäquate Vordiagnostik und Selektion der Behandlungsfälle).
Bei den Frakturen konnte dagegen die Gesamtfrakturrate um 30% gesenkt werden, so dass von 179 behandelten Frauen durch die Anwendung der HT keine Fraktur erleiden musste.

Den Inhalt der S3-Leitsätze können Sie hier im Einzelnen nachlesen.

Aktuell spricht man von einer „Renaissance der Hormonersatztherapie.

Lesen Sie hierzu auch den Artikel von Prof. A. O. Mueck aus der Fachzeitschrift „Gynäkologische Endokrinologie, Ausgabe 4-2013, erschienen im Springer-Verlag Berlin-Heidelberg

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